 | HISTORIE |
 Das Alte Museum gilt als das bedeutendste Bauwerk von Karl Friedrich Schinkel in Berlin. Es entstand aus seinen und des preußischen Königs Vorstellungen, dem Lustgarten vor dem Schloss eine würdige Form zu geben. Gleichzeitig sollte dieses Haus „für den öffentlichen Gebrauch" die königliche Kunstsammlung aufnehmen.
Damit entstand in Berlin das erste Museum und mit Schinkels Entwurf „ein Bau, der empfänglich macht für den Genuss". Die sich anschließende Gestaltung der Museumsinsel in der Spree wurde fast 170 Jahre später Weltkulturerbe.
1823 legte Schinkel dem König seine Pläne vor, die die klassische Schönheit der Antike mit der Zweckmäßigkeit der Gegenwart verbanden. König Friedrich Wilhelm III. war ein „sparsamer König in einer geldarmen Zeit" (Theodor Fontane), und so war auch seine Zustimmung zu Schinkels Plänen mit der Auflage zur strengsten Sparsamkeit verbunden.
Der Berliner Baugrund mit seinen schlammigen Resten eines eiszeitlichen Urstromtals bot aber für Sparsamkeit keine günstigen Voraussetzungen. Der Untergrund musste mit über 3.000 bis zu 15 Meter langen Pfählen aus Eichenholz befestigt werden. Trotzdem schuf Schinkel einen imposanten Bau mit einer 86 Meter langen Front, einer großzügigen Freitreppe, mit zwölf Meter hohen 18 ionischen Säulen und mit aus vergoldetem Gusseisen hergestellten Lettern im Archivar. Das Museum wurde am 3. August 1830, dem 60. Geburtstag Friedrich Wilhelm III. feierlich eröffnet. Zusammen mit der eindrucksvollen Raumgestaltung aus Vorhalle, Treppenhaus und Rotunde wurde das Bauwerk Schinkels zur Zierde des königlichen Lustgartens in der Mitte Berlins.
Christian Friedrich Tieck schuf 1826 die Dioskuren (Rossebändiger) als Schmuck auf dem südlichen Dach des Mittelbaus. Sie wurden ein Teil der mit dem Bau verbundenen Beziehung Schinkels zur Antike und seiner nach den Befreiungskriegen entstandenen Idee, an Stelle von Bronze Eisen aus eigenen Rohstoffen als „nationales Material“ zu verwenden.
Die Rossebändiger Kastor und Polydeukes (römisch Castor und Pollux) sind nach der griechischen Sage aus einer Verbindung von Lena, der schönen Tochter des Königs Testhios, mit dem Spartanerkönig Tyndareos und mit Zeus, der sie in Gestalt eines Schwanes schwängerte, zusammen mit den Zwillingsschwestern Helena und Klytämnestra Halbbrüder.
Die jugendlichen Heroen galten in der Antike als sehr ritterlich. Sie brachten die von Theseus geraubte Helena nach Sparta zurück, nahmen am Zug der Argonauten teil und sollen den Römern im Kampf beigestanden haben. In Rom wurde ihnen dafür auf dem Forum ein Tempel gebaut.
Die Dioskuren mit ihren Rossen wurden in den Jahren 1827 bis 1828 in der „Königlichen Eisen-Gießerei“ in Berlin gegossen. Ihr außergewöhnlicher Wert besteht in der bis ins Detail gehenden eindrucksvollen naturgetreuen Modellierung der beiden Körper.
Das Alte Museum wurde im Zweiten Weltkrieg mehrmals von Sprengbomben getroffen und brannte im Mai 1945 vollständig aus. Die Dioskuren hatten mit geringen Schäden (zwei Einschüsse von Granatsplittern) den Krieg überstanden. 1951 begann der Wiederaufbau des Museums, der 1966 abgeschlossen wurde.
Im Oktober 2005 wurden die Dioskuren für die Restaurierung vorbereitet, geteilt und vom Dach des Alten Museums abgehoben. Für das Abheben und den Transport der jeweils etwa 6,5 Tonnen schweren und empfindlichen Figuren aus Eisenguss in die Grünauer Werkstatt am Rande Berlins waren spezielle Transportgestelle aus Stahl konstruiert worden. 
 | DER RESTAURATOR |
 Georg Ignaszewski hatte bereits in der Vergangenheit erfolgreich gusseiserne Bauwerke restauriert, die von Karl Friedrich Schinkel entworfen und in der „Königlichen Eisengießerei“ hergestellt wurden. Das waren zum Beispiel das Denkmal für Königin Luise in Gransee und das Denkmal für die Schlacht bei Dennewitz im Befreiungskrieg 1813.
Bei der Voruntersuchung wurde festgestellt, dass es keine Unterlagen mehr über die Herstellung der Dioskuren gibt. Sie waren offensichtlich 1848 bei dem Brand in der Eisengießerei vernichtet worden. Bekannt soll aber sein, dass Christian Friedrich Tieck bei der Herstellung der Dioskuren unter Termindruck gestanden hat. Danach wurde auch zuerst die Westgruppe (Castor) hergestellt und ein halbes Jahr später die Ostgruppe (Pollux). Die Dioskuren wurden damals aufgrund ihres großen Gewichtes erst auf dem Dach des Museums aus den gegossenen Einzelteilen zusammengesetzt und dann mit der Bausubstanz des Daches fest verbunden. Die Demontage für die Restaurierung erforderte nun ein Abtrennen der Befestigungsanker.
Danach wurden für den Transport Dioskur und Ross getrennt. Die Konzeption zur Restaurierung veränderte auch das Wiederaufstellen. Die Dioskuren wurden jeweils als Gruppe auf einer stabilen Grundplatte aus CrNi-Stahl befestigt. Die Montage hatte die Bedingungen einer statischen Sicherheit und die Empfindlichkeit des Eisengusses zu berücksichtigen und ermöglicht später notwendige Farbrestaurierungen ohne Eingriffe in die Bausubstanz des Museums.
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