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BAHNHOFSNEUBAU: Rhythmen aus Stahl und Glas
Gare Liége-Guillemins

19. November 2010. Die Möglichkeit, mit wenig unterschiedlichen Rohr- und Profilquerschnitten homogene, schlanke Tragwerke zu erstellen, nutzen Architekten und Ingenieure mit Vorliebe bei spektakulären Tragkonstruktionen für Hallen, Stadiendächer und Brücken. Ein weiteres Beispiel für diese Baukunst ist ein Bahnhofsneubau in Lüttich.  mehr...

BAHNHOFSNEUBAU: Rhythmen aus Stahl und Glas
Gare Liége-Guillemins

Die fast 200 Meter überspannende Dachkonstruktion wirkt trotz ihres Gewichts äußerst filigran. Ein Thalys- oder ICE-Zug findet darunter in voller Länge Platz. Foto: V & M Tubes

Ein Beispiel für die konstruktive Baukunst mit MSH-Profilen lieferte Stararchitekt Santiago Calatrava mit dem jüngst eingeweihten Gare Liége-Guillemins - ein Verkehrsprojekt mit übergeordneter symbolischer Ausstrahlung für den urbanen Neuanfang in Lüttich.

In elegantem Bogen wölbt sich eine monumentale Welle aus Stahl, Glas und Beton parallel zu den Fahrtrichtungen über die Gleise des neuen Gare Liége-Guillemins. Die parallele Anordnung war notwendig, um das Haupttragwerk nach und nach vom Vorplatz aus mittels einer stützenden Hilfskonstruktion über die Gleise schieben zu können.
Um die neun Gleise samt der beiden Eingangsbereiche großzügig aufzunehmen, benötigt die gigantische Dachkonstruktion eine Breite von 160 Metern und 196 Meter Länge – ausreichend, um einfahrende TGV/Thalys- oder ICE-Züge in voller Länge zu überdecken. Dass die gewaltige Halle mit einer Dachfläche von 33.000 Quadratmetern trotz ihres Gewichts dennoch äußerst filigran wirkt, verdankt sie der mit zwei Metern Abstand verhältnismäßig engen Reihung der Bögen, wodurch die Hauptträger – ausgesteift mit dünnen Querriegeln – extrem schlank gehalten werden konnten.

Aus den Rhythmen von Glas, Stahl und hellem Beton entwickeln sich fast unmerklich die seitlichen Vordächer, die über dem Eingang zur Bahnhofspassage bis auf 45 Meter über den Vorplatz auskragen. Wie der Schirm einer Mütze sind sie nahtlos an das Hauptdach angesetzt und werden von den weit geschwungenen, eleganten Bögen aus MSH-Profilen von V & M Tubes begrenzt.

Auf den Kopf gestellte Pyramiden verankern die aus 39 Stahlbögen bestehende, bis fast vierzig Meter über die Gleise ansteigende Gewölbekonstruktion auf dem Boden, während sich die über die gesamte Hallenlänge gespannten vier Bogenträger im Bereich der auskragenden Dachwölbungen auf spektakulär verzweigte Betonwiderlager stützen. Durch den Verzicht auf eine Fassade im herkömmlichen Sinne wirkt das Bahnhofsgewölbe optisch zu allen Seiten hin geöffnet. Überall in der Station trifft man auf kantenlos geschwungene, organische Formen, die als Markenzeichen von Calatrava gelten.




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